Reformationsrüstzeit 2017 in Marienheide

"Können Kriegsleute in seligem Stande sein?"

Diese Frage – frei nach M. Luthers Antwort an Assa v. Krahm – diskutierten 42 Teilnehmer am Wochenende vor dem Reformationstag, letztmalig im „Feldbischof-Franz-Dohrmann-Haus“ in Marienheide. Im Wissen um die Schließung dieses Tagungszentrums Ende November 2017, fühlten manche neben der Dankbarkeit für viele gesegnete Rüstzeiten auch eine gewisse Wehmut darüber, dass ein Stück Rüstzeitheimat dann nicht mehr besteht.

Die Wehmut zeigte aber eine deutliche Ambivalenz im Leben auf, denn das Wort „selig“ als Gegensatz zur Wehmut wurde zum zentralen Mittelpunkt der Gespräche. Schon in der Begrüßungsrunde am Freitagabend erfragte Pfr. Carsten Wächter aus Bad-Neuenahr / Ahrweiler bei allen, was „selig“ für den Einzelnen bedeutet. Die Antworten zeigten den Spannungsbereich dieses Begriffes. Von der Geburt eines Kindes, die Freude über die Genesung eines Kindes nach schwerer Krankheit, die glückliche Heimkehr aus dem Einsatz mit der Freude des kleinen Sohnes, bis zu Bewahrungen und den Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu, nach Matthäus 5, fielen sehr viele unterschiedliche Deutungen, u.a. Dankbarkeit, für „selig“ an. Der Abend klang schließlich nach dem Abendsegen mit Gesprächen in vertrauter Runde - teilweise bis tief in die Nacht hinein - aus.

Am Samstag nach dem Morgensegen wurde das Thema wieder aufgegriffen, und vom allgemeinen Begriff auf das als Buch vorliegende Schreiben Luthers an A. v. Krahm übergeleitet. Auch wenn diese Auslegung M.Luthers vor fast 500 Jahren nach der Schlacht von Bad Frankenhausen gegen die aufständischen Bauern unter Thomas Müntzer niedergeschrieben wurden, sind die Kernaussagen bis heute aktuell. Zwar unterscheidet sich unser heutiges Soldatenverständnis als Parlamentsarmee deutlich von den damaligen Landsknechtstruppen eines „Kriegsunternehmens“, wie den von-Krahmschen Verbänden, die sich wechselnd Fürsten und Königen, wie z.B. auch dem französischem König, gegen Bezahlung unterstellten. Als heutige Soldaten und Christen unterstehen wir im Rahmen der von Martin Luther präzisierten augustinischen Lehre von den 2 Regimenten (Gottes Reich und weltliche Herrschaft) nach Römer 13 loyal der weltlichen Regierung, solange nicht Gottes Gebote den untergeordneten weltlichen Gesetzen entgegenstehen. Selbst dann dürfen wir nur im äußersten Notfall gewaltsam Widerstand leisten, im Gegensatz zu gewaltfreiem Widerstand. Über der Frage, ob es Aufgabe des militärischen Vorgesetzten oder der politischen Führung ist, der Truppe die Notwendigkeit militärischer Hilfseinsätze zu vermitteln, entstand noch eine angeregte Diskussion, die durch die schon verspätete Mittagspause aber beendet wurde.

Nach der Mittagspause übergab Ulrich Weiß die Veranwortung für den Internetauftritt der CoV an Björn Hoyme und Andreas Adomeit. Für die vielen Jahre seines Dienstes gebührt Ulrich ein großes und herzliches Dankeschön.

Währendessen fuhren die Meisten mit dem von den Ehel. Gimmler gecharterten Bus zum Reformationsmarkt nach Gummersbach. Neben den Marktbuden, die sowohl im Warenangebot als auch in der Ausstattung der Reformationszeit entsprachen – einschließlich der passenden Musik und den zeitgenössischen Tanzaufführungen – gab es eine Kirchen- und Turmführung in der ev. Kirche, dem „Oberbergischen Dom“. Das romanische Mittelschiff und der romanische Kirchturm, sowie die gotischen Seitenschiffe mit Querschiff  bilden den ältesten Teil der heutigen Kreisstadt. Jugendpastor Aust führte sehr engagiert und mit  starkem persönlichen Glaubenszeugnis durch die Kirche, die von dem relativen Wohlstand der Bevölkerung im ausgehenden Mittelalter durch Bergbau und Metallerzeugung (schon seit der Keltenzeit) und auch nach dem „30jährigen Krieg“ zeugt. Überrascht waren alle, dass trotz der räumlichen Nähe zu Köln, Gummersbach bereits 1537 rein evangelisch war.

Nach dem  Abendessen fiel die Fackelwanderung dem starken Wind und dem einsetzenden Nieselregen zum Opfer, so dass die Abendandacht unter dem überbauten Teil der Freifläche stattfand. Anschließend wurden die Gespräche des Vorabends fortgesetzt, bzw. die Eindrücke des Tages in gemütlichem Umfeld gedanklich verarbeitet.

Am Sonntagmorgen begannen wir nach dem Frühstück und den notwendigen Schlussaufgaben mit der Abschlussrunde. Die Rüstzeitplanung der CoV wurde den neuen Förderrichtlinien angepasst. D. h., dass der gestaltende MilPfr. auch die Tagungsstätte aussucht. Die Jahreshauptrüstzeit im April 2018 mit Dekan Peter Schmidt findet daher im Berliner Raum statt. Die 2. Rüstzeit gestaltet Dekan Hartwig v. Schubert im Großraum Hamburg. Die Pilgerreise nach Israel von Ende Oktober bis zum 1. Novemberwochenende kostet ca. 1800 € pro Person. Ehel. Hogan berichteten, dass sie im kommenden Jahr erst im Herbst wieder nach Bayreuth kommen. Sie müssen einiges an ihrem Haus in Clarksville(TN) sanieren. Außerdem muss Roger an der rechten Hand operiert werden. Des Weiteren stehen Gespräche mit dem  Biblica-Verlag in Colorado als Herausgeber der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ wegen einer erneuten Auflage der Flecktarnbibel an. Durch die Rev. der Übersetzung muss eine Neuformatierung in unser „Einsatzformat“ erfolgen, verbunden mit zusätzlichen Kosten von etwa 5000 US-$. Von der derzeitigen Auflage liegen noch fasst 1000 Stück in Sulzbach-Rosenberg bei „Shelter Now“, und über 5000 beim AK-Soldaten, der als Kontaktadresse und Versandstelle Hogans unterstützt.

Im anschließenden Dankgottesdienst mit Abendmahl segnete MilPfr. Friedemann Schmidt dann Hildburg und Klaus Burkhardt anlässlich ihrer „Goldenen Hochzeit“ wenige Tage zuvor. Insgesamt konnten dieses Jahr noch 3 weitere „CoV-Paare“ ihren 50. Hochzeitstag feiern: Helke und Klaus-Dieter Zunke, Margaret und Roger Hogan sowie Uschi und Ulrich Weiß.

Nach dem Mittagessen, mit einem ganz dicken Dankeschön an die scheidende Leitung des „Franz-Dohrmann-Hauses“ - Frau Lindner mit Team - und Anke Müller-Wächter für die Kinderbetreuung, segnete uns Carsten Wächter für die Heimfahrt. Dann hieß es für die CoV zum vorausichtlich letzten Mal in Marienheide Gott befohlen.