Segelfreizeit im September 2002

Voller Vorfreude verabschiedeten sich am Sonntag 13 abenteuerlustige Männer und Frauen von ihren Familien und ihren gewohnten vier Wänden, um für eine Woche die breiten Betten gegen schmale Kojen zu tauschen.

Sonntag, 08.09.02, Tag 1, Anreise:

Selbst ein geplatzter Reifen oder fehlendes Kartenmaterial konnten sie nicht aufhalten. Alle fanden ihren Weg nach Stavoren, dem Ausgangspunkt der Segelrüstzeit 2002. Das Thema, welches im Mittelpunkt stand lautete: "Gibt es Gott wirklich?". Bereits am ersten Abend wurden rege Gespräche zum Teil bis weit nach Mitternacht geführt.
Die Crew läßt grüßen...
 
Montag, 09.09.02, Tag 2, Von der Theorie in die Praxis:
Die erste Nacht war für die meisten eher unruhig. Zumeist lag es an einzelnen Mücken, die sich einfach nicht fangen ließen, manchmal aber auch an der neuen ungewohnten Umgebung. Nach dem Sonnenaufgang, der an Deck genossen wurde, stimmte der Leiter der Segelrüstzeit, Rainer Thorun mit einem Bibelzitat auf den Tag ein.

Wolfgang und Ulli sorgten jeden Morgen für die Stärkung des Leibes, indem sie frische Brötchen besorgten. Die Einweisung in die Geheimnisse des Segelns und vor allem in die notwendigen Handgriffe an Bord folgten durch Maat Ninja, die bereits seit über 9 Monaten ihren Dienst auf dem Schiff versieht und somit über eine gewaltige Portion Erfahrung verfügt. Diese gab sie mit sehr viel Lebensfreude an die Segelschüler weiter.

Nun konnte es losgehen, Rainer und Skipper Michiel legten den Kurs fest, die Segel wurden das erste Mal gehisst und der Wind trieb das Schiff mit starker Kraft gen Norden. Ziel war das Wattenmeer, welches nach einigen Stunden segeln und durchfahren der Ostschleuse bei Kornwerderzand erreicht war. Für die Nacht wurde in Harlingen festgemacht. Gottfried übernahm die Gestaltung unserer Gesprächsabende, wobei er herausstellte, dass Offenheit und Austausch dabei die wesentliche Rolle spielen soll. Argumente für und wider die Existenz Gottes wurden, auch anhand eigener Erfahrungen, dargestellt. Im Scheine eines wunderschönen Abendhimmels, Gewitterwolken die ein rosa Licht erzeugten, beendetet ein lockerer Stadtrundgang diesen erfüllten Tag.

 
Dienstag, 10.09.02, Tag 3, Im Ölzeug nach Texel:
Am Mittwochmorgen regnetet es leicht, also musste das Ölzeug ran. So eingepackt wurde nach dem Frühstück das Schiff klargemacht und zunächst Kurs Richtung Terschelling genommen. Nach einiger Zeit war klar, dass der Nordkurs, bei diesen Windverhältnissen sehr ungünstig war. Deswegen fiel Skipper Michiel ab auf Kurs Nord-West, um direkten Kurs auf Texel zu nehmen. Die Arbeit im Klüvernetz bedeutete bei diesen Wetterverhältnissen eine echte Herausforderung für Ralf und Frieder. Später lies der Wind nach. Der Kurs führte uns quer durch Muschelbänke in den Hafen von Quedschild. Unser Abendgespräch beleuchtete die verschiedenen Atribute Gottes nach theologischer und biblischer Darstellung. Nach einem Rundgang durch den Ort wurde in einer Hafenkneipe dann Bier aus Kannen getrunken. Nicht weil der Durst so groß, sondern weil die kleinen Gläser so teuer waren. Das viel günstigere Bordbier war am Ende des Abends aufgebraucht.

 
Mittwoch, 11.09.02, Tag 4, Inselhüpfen: Von Texel nach Terschelling:
Am Morgen wurden die Vorräte neu aufgefüllt, Souvenirs eingekauft und anschließend rückwärts ausgeparkt. Wie immer beeindruckte Skipper Michiel durch sein seemännisches Können. Bei kräftigem Wind wurde Kurs auf Terschelling genommen. Gischt, Schräglage und ein diesiger Himmel bestimmten den Vormittag. Als der Himmel dann aufklarte und die Sonne sich zeigte verschwand der Wind. So musste der Joker eingesetzt werden: Fock weg - Motor an.

Anschließend bei glatter See und mäßigem Wind wurde gesegelt wie ein Schlittschuhläufer. Das Aufkreuzen gegen die Strömung des abfließenden Wassers in einer engen Fahrrinne kurz vor der Hafeneinfahrt begeisterte alle alten und neuen Segelfreunde. Da der Hafenmeister schon Feierabend gemacht hatte, wurde für Einlaufen unter Segeln auch kein Bußgeld fällig. Das in Texel gebunkerte Bordbier war am Ende des Abends bereits wieder aufgebraucht.

Donnerstag, 12.09.02, Tag 5, Zurück ins Ijselmeer:
Beim Abschied von der Insel Terschelling waren alle sehr dankbar für den wunderschönen Sonnenaufgang im Wattenmeer. Die Fahrt auf Vorwindkurs führte, bei strahlend blauen Himmel und Sonnenschein, direkt auf die Ostschleuse zu, um dort wieder ins Ijselmeer zu gelangen. Aufgrund des großen Andrangs wurde allerdings kurzfristig entschieden am Deich entlang zur Westschleuse zu segeln. Viele andere Yachten und Schiffe nahmen auch diesen Kurs, so dass es zu sehr aufregenden Rennen kam. Selbst moderne Segelyachten konnten nicht mithalten und drehten beschämt ab. Teilweise kam die Stimmung und der Eindruck alter Piratenfilme auf, wenn eine ganze Armada unser Schiff verfolgte, aber nicht einholen konnte. An der Westschleuse schlug die Moderne allerdings wieder zu. Die Toilette war defekt und musste ausgebaut und repariert werden. Nach dem technischen Halt ging es durch die Schleuse und mit gutem Wind in den Sonnenuntergang hinein. Unter Segeln wurde in den Hafen von Enkhuizen eingelaufen. An diesem Abend verteilte Gottfried die "Gebete für uns", die die Mitglieder seiner Gemeinde jeweils für ein Mitglied der Segelrüstzeit persönlich niedergeschrieben hatten. Diese Gebete beeindruckten sehr stark, da sie viele mitten ins Herz oder in die Seele trafen, natürlich im positiven Sinne.

Nach dem Rundgang durch den Ort klang auch der letzte gemeinsame Abend an Bord aus. Zur Überraschung blieb, im Gegensatz zu den vorangegangenen Abenden, eine "Anstandsbierdose" übrig.


Freitag, 13.09.02, Tag 6, Abschied in Stavoren:
Der letzte Tag war sonnig, windig und schön – trotzdem war die Stimmung an Bord bedrückter als sonst. Allen war bewusst, dass dies das letzte Auslaufen aus einem Hafen war, dass jeder Schlag der gesegelte wurde die Entfernung zum Zielhafen verringerte, dass eine Segelmannschaft auseinander gehen musste, die von Anfang bis zum Ende gut harmonierte. Ein Abschleppmanöver verzögerte die Ankunft zwar noch etwas, aber gegen Mittag war es dann soweit. Die Segel wurden das letzte Mal verzurrt und anschließend klar-Schiff gemacht. Ein Abschiedsfoto und die Hoffnung auf ein nächstes Mal beendete diese einzigartige Veranstaltung. Alle, die teilnehmen durften, sind äußerst dankbar und werden die Segelrüstzeit 2002 sicher nicht vergessen.
 
Persönlicher Dank
    An dich Rainer, für die Organisation und Leitung der Rüstzeit, die Morgenbesinnung, die Wärme die du ausgestrahlt hast und das gute Essen.
    An dich Gottfried, für die Gestaltung der Abendarbeit rund um die Frage "Gibt es Gott wirklich?" und die ausgesprochen angenehmen Stunden, die ich mit dir verbringen durfte.
    An dich Skipper Michiel für die ausgezeichnete Führung des Schiffes, deine ruhige bestimmte und trotzdem humorvolle Art hat mich an Bord deines Schiffes vom Beginn bis zum Ende heimisch fühlen lassen.
    An euch alle, die ihr an der Segelrüstzeit teilgenommen habt, für eure Offenheit und die tolle Zusammenarbeit. Einer für alle - alle für einen!
    An die COV, die diese Rüstzeit möglich gemacht hat und hoffentlich auch in Zukunft möglich machen wird.
    Und ich Danke Gott, dass sich alles so ereignete wie ich es oben versucht habe zu beschreiben, dass jeder Tag anders wunderschön und etwas besonders, ja einzigartiges war, dass die schützende Hand über uns und unseren Lieben lag, dass der 11. September 02 verging ohne das die Welt erneut erschüttert wurde.

von Hptm Dirk Dobrowolski