Familienseminar in Hülsa (Hessen)

Wir fahren zum Familienseminar nach Hülsa war unsere Antwort auf die Frage, wo es denn in den Osterferien hingehen sollte. Was macht man dann auf einem Familienseminar?, waren die mitunter neugierigen Fragen von Angehörigen, Freunden und Bekannten. Beruhigend und die Neugierde stillend berichteten wir über die Inhalte des Seminars.

Im Seminar und in Gesprächskreisen wollten wir Themen über Ehe und Familie behandeln und uns über die Vaterschaft Gottes besinnen.

Am Samstag, 12.04.03, einem herrlichen und sonnigen Frühlingstag, reisten die Familien mit ihren Kindern, Ehepaare, Referenten und Betreuer, insgesamt 33 Erwachsene und 24 Kinder an der Zahl, in Hülsa bei Homberg/Efze an.

Einige Teilnehmer legten weit über 600 Km zurück, was ihr großes Interesse an dieser Familienwoche unterstreicht.

Rainer und Karin Thorun begrüßten die angereisten Gäste und stellten ihr Mitarbeiter-Team vor. Nach dem ersten gemeinsamen Kaffeetrinken hatten die Familien die Gelegenheit, sich mit Hilfe eines zuvor gemeinsam erstellten Familienbildes vorzustellen und ihre Wünsche und Erwartungen an diese Familienwoche zu äußern.

Durch Pfarrer (em) Klaus Blechschmidt wurden wir bei der Morgenandacht auf Gott und den neuen Tag eingestimmt. Nach dem reichhaltigen Frühstück versammelten sich die Familien im großen Gruppenraum und begannen den Tag mit Lobpreisliedern und Gebeten. Die Kinder wurden durch Peter Dobrowolski, Cornelia Zabel und Katharina Mahlzahn während der Seminarzeiten betreut. Es standen Spiele und Unterhaltung für die älteren und jüngeren Kinder auf dem Programm.

Die Vormittage und Abende wurden von den „Erwachsenen“ genutzt über Glaube, das Verhältnis zu Gott und wichtigen Themen zu Familie und Partnerschaft zu reden, diskutieren und nachzudenken. Die Nachmittage wurden von den Familien für gemeinsame Aktivitäten, wie Spiele, Wanderungen oder Kurzausflüge im wunderschönen nordhessischen Bergland gestaltet. Höhepunkt der Freizeit war das gemeinsame Familienfest, zudem jede Familie mit einem Programmpunkt (Vorträge, Spiele, musikalische Darbietungen) beitrug.

Im Seminar und den Gesprächskreisen hatten die „Erwachsenen“ Zeit und Gelegenheit sich zu informieren, zu diskutieren und auszutauschen.

„Die Ehe, ein Geschenk Gottes?!“ – vorgestellt von Elli und Martin Beez in ihrem Vortrag.Über diese Frage und Aussage zugleich sollte intensiver nachgegangen werden. Der Mensch strebt nach Zweisamkeit und hat ein Bededürfnis nach Harmonie. Nicht Wenige sind in unserer heutigen, sehr schnelllebigen Zeit der Auffassung, dies auch ohne feste und andauernde Bindung zu realisieren. Individuelle Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit und all das zu tun, was dem eigenem Glück dient, sind Wunschvorstellungen, die sich nicht umsetzen lassen. Wechselnde Partner sind ein Ausdruck der Suche nach Lebensglück, in der Hoffnung, dass der neue Partner das geben kann, was man beim anderen vergeblich suchte. Die christliche Ehegemeinschaft ist nicht das Zusammenleben zweier Egoisten, sondern nach Auffassung von Elli und Martin Beez gekennzeichnet durch die gegenseitige Liebe und Unterstützung der Ehepartner im Glück wie im Leid mit unauflöslicher Treue für das ganze Leben.

Rainer Thorun stellte in seinem Vortrag „Die Vaterschaft Gottes“ zunächst die heutige Rolle und Einordnung der Väter in Familie und Gesellschaft heraus. Er wies auf die Hintergründe für die zunehmende Unpopularität von Vätern hin. Falsch verstandene Gleichberechtigung der Frauen führt er als eine Ursache an. Die Folge der abgewerteten Vaterschaft bewirkt eine Störung im Verhältnis zu Gott, den wir Vater nennen dürfen. Die gute oder weniger gute Erinnerung an den eigenen Vater, das Gute oder weniger gute Verhältnis zu dem eigenen Vater beeinflusst nicht selten auch das Bild zu Gott, wobei es umgekehrt sein sollte. Durch die Heilung der Vaterbeziehung kann das Gottesbild korrigiert werden.

Kann man fair streiten? Wie kommt es zum Streit? Wie kann man Streitsituationen vorbeugen? Diese Fragen beschäftigten uns in einer weiteren Sitzung. Nicht selten sind es banale und alltägliche Dinge, die als Auslöser eines Streits auftreten. Ärger oder Frust an der Arbeit werden nicht selten mit in die häusliche Gemeinschaft getragen. Nach dem Vortrag von Ursula und Martin Pessara, in dem sie über ihren persönlichen Umgang mit Konflikten innerhalb der Partnerschaft berichteten, wurde in den anschließenden Gruppengesprächenüber Entstehung von Streitsituationen und möglicher Problemlösungsansätze diskutiert. Die gegenseitige Achtung, der nötige Respekt vor dem Ehepartner, wie auch vor anderen Personen, und der Abbau von Vorurteilen helfen uns, fair zu streiten, in Streitsituationen zu schlichten oder einen Streit positiv zu beenden.

„Zweisame Liebe und Romantik“. In der Ehe spielt Liebe und Sexualität eine wichtige Rolle. Martin Beez referierte eindrucksvoll über die drei Aspekte der ehelichen Liebe, der Philia (der freundschaftliche Aspekt), die Erotik (der romantische Aspekt) und Agape (die Liebe, die sich aufopfert). Liebe muss gehegt und gepflegt werden wie eine Pflanze, sonst verkümmert sie. Sie beruht auf Gegenseitigkeit und auf dem Geben und Nehmen innerhalb der Partnerschaft.

Im Themenkomplex Grundlagen und Praxis der Erziehung referierte Rainer Thorun im Besonderen über den Umgang mit Teenagern. Er skizzierte die Entwicklung junger Menschen, sprach über deren Ängste, Sorgen und deren Erwartungen an die Eltern und ihre Umwelt. Im Vortrag wurde die Rolle der Eltern innerhalb der Erziehung erörtert. In den Gruppengesprächen diskutierten wir über mögliche Hilfestellungen, die Eltern ihren heranwachsenden Kindern geben können. Deutlich wurde uns Eltern, dass uns unsere Kinder auf Zeit von Gott anvertraut sind.

„Nur ein kleiner Unterschied?“ Zwischen Mann und Frau gibt es wohl mehr Unterschiede, als wir bisher vermutet hatten und die zunehmende Erkenntnis „ Männer sind anders, Frauen auch“ (Buchtitel) macht dies deutlich. In diesem Seminarabschnitt galt es, dieser Andersartigkeit auf die Spur zu kommen. Neben den äußerlich sichtbaren Merkmalen wirken sich die Unterschiede in den Gehirnfunktionen besonders aus. Wenn Männer sich auf eine Aufgabe konzentrieren können, so ist es den Frauen möglich, mehrere Dinge gleichzeitig verrichten zu können. Männer können mit Technik umgehen, Frauen können zwischen den Worten zuhören. Verstehen wir diese Unterschiedlichkeit, so können wir bestimmte Verhaltensmuster des anderen Geschlechts richtig interpretieren. So ist eine Abstimmung zwischen Mann und Frau wichtig und beugt Missverständnissen vor.

Am letzten Abend versammelten sich die Männer und Frauen getrennt zum Austausch und zum Gebet.

Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück fand der Familiengottesdienst unter der Leitung von Pfarrer (em) Klaus Blechschmidt statt. Die Familien wurden durch Lesungen und musikalischer Einlagen in den Gottesdienst eingebunden.

Von der Abschlusszeremonie des Gottesdienstes waren wir tief bewegt. Wir haben uns, wie auch andere Ehepaare, mit der Wiederholung des Eheversprechens ein zweites Mal zu unserer Ehe mit der Hilfe Gottes bekannt.

Diese Familienfreizeit war unsere erste und sicherlich auch nicht die letzte. Wir haben persönlich sehr viel mitnehmen dürfen und möchten allen für die schöne Zeit danken. Wir danken Rainer Thorun, seiner lieben Frau Karin, und dem Team mit Martin und Elli Beez, Martin und Ursula Pessara, Volker und Gabi Wisser, Peter Dobrowolski, Cornelia Zabel und Katharina Malzahn für die Organisation und Durchführung, wir danken Pfarrer (em) Klaus Blechschmidt für seine klaren und segensreichen Worte. Dank auch dem netten und hilfsbereiten Personal des Freizeitheims der Evang. Militärseelsorge in Homberg Hülsa für die gute Unterbringung und Verpflegung. Dank für die gute Gemeinschaft mit den anwesenden Familien.