CoV-Jahresrüstzeit 2006

Die Jahresrüstzeit fand vom Dienstag, 18.04. bis Sonntag, 23.04.06 in Hülsa, im Assa-von-Cram-Haus, ein Rüstzeitheim der evangelischen Militärseelsorge, statt. Der Dienstag war durch die Anreise der Rüstzeitteilnehmer und durch letzte organisatorische Regelungen geprägt. Am Abend gab es das erste gemütliche Beisammensein und Wiedersehen – für viele nach längerer Zeit.

Der Mittwoch war der CoV-Jahreshauptversammlung vorbehalten, über die gesondert berichtet wird.

Allen Referenten sei hier noch mal ausdrücklich für Ihre fachkundigen Beiträge, die anschaulich und gut verständlich präsentiert wurden, im Namen der CoV und der Zuhörer herzlich gedankt.

Donnerstag, 20.04.06
Vortrag von Pf. Dr. Gassmann

Foto oben: Zuhörer beim Vortrag von Pf. Dr. Gassmann. In der ersten Reihe Mitte das Ehepaar MilDekan a. D. von Seggern, die ältesten Teilnehmer der Rüstzeit mit über 92 J.!

Am Donnerstagmorgen konnten wir unseren ersten Referenten, Herrn Pfr Dr. Lothar Gassmann, begrüßen. Dr. Lothar Gassmannm ist Sekten- und Weltanschauungsbeauftragter der “Arbeitsgemeinschaft für religiöse Fragen e. V.“, Autor zahlreicher Aufsätze, und Bücher zu geistlichen und theologischen Themen.

Unter dem Titel “Ökumene – wohin geht der Weg?“ spiegelte Dr. Grassman die Perspektiven der beiden großen Kirchen und zeigte Verbindendes und Trennendes auf. Hierbei gelang in anschaulicher Weise die Bezugnahme auf die entsprechenden Bibelstellen und die Darstellung deren differenzierter, theologischer Interpretation.

Dr. Gassmann riss thematisch sowohl reine katholische als auch evangelische Positionen an und zeigte ebenfalls das Feld einer (naiven) gleichmachenden Sichtweise, in der das Bezeichnende der Konfessionen verwischt wird, auf. Er stellte klar, dass Ökumene nicht in einem Verwischen des jeweils Charakteristischen bestehen kann, sondern in konstruktiver gegenseitiger Anerkennung.

Schwerpunktmäßig wurden hierzu die unterschiedlichen Positionen zum Verständnis des Abendmahls –nach katholischer Auffassung vom Wandlungsgedanken getragen- und des Priesteramtes, betrachtet. Nach römisch-katholischer Auffassung dürfen nur geweihte Priester das Abendmahl austeilen. Im Gegensatz zum geweihten Priestertum geht das evangelische Verständnis vom funktionalen Priesteramt aus.

An den detailreichen Vortrag schloss sich ein lebhaftes Gespräch an, in dessen Verlauf Dr. Gassmann zahlreiche individuelle Fragen beantwortete bzw. persönliche Stellungnahmen theologisch kommentierte.

Der Nachmittag war mit einer Exkursion nach Ziegenhain ausgefüllt. Dort empfing uns Herr Dekan i. R. Friedrich Malkemus, zur Besichtigung der barocken Stadtkirche mit anschließendem Stadtrundgang. Herr Malkemus erwies sich nicht nur als Kenner der Historie der Barockkirche, sondern auch der Geschichte Ziegenhains. In anschaulicher Weise berichtete er über die historische Situation während des Kirchenbaus, erklärte die Entstehung der Ziegenheiner Zuchtordnung, und erläuterte an historischen Stellen besondere Begebenheiten: Das Leben und Wirken des Landgrafen Phillips, die militärisch-strategische Bedeutung Ziegenhains nach Vollendung der Festung und die Zerstörung während der napoleonischen Kriege.

1524 trifft Landgraf Philipp auf Melanchton, der ihn über die Ziele der Reformation aufklärt. Als 1526 auf dem Reichstag in Speyer den Fürsten erlaubt wird, „… jeder möge sich so verhalten, wie er sich getraue, vor Gott und seiner kaiserlichen Majestät zu verantworten," stellt Phlipp auf einer Versammlung von hessischen Adligen, Geistlichen und Bürgermeistern in Homburg/Effze den Plan einer Kirchenreformation vor: Der Beginn zur Einführung der Reformation in Hessen.

Das Ziel der Reformation wird in den nächsten Jahren von Philipp konsequent weiterverfolgt, bis schließlich im Jahre 1539 auf Einladung des Landgrafen Philipp, die hessischen Theologen unter dem Einfluss von Phlipp Melanchton und Martin Butzer in Ziegenhain die Kirchenordnung von Ziegenhain beschließen, deren Bestandteil die christliche Unterrichtung Jugendlicher ist, die mit der Segnung – der Konfirmation- endet.

Der Tag wurde durch einen gemütlichen Grillabend abgerundet.

Freitag, 21.04.06
Der Freitag begann mit einem Vortrag des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan.

Sein Vortrag bezog sich auf die aktuelle internationale politische Lage, die weltweite terroristische Bedrohung und die daraus resultierenden Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Friedenssicherung.

Im Focus seiner Ausführungen stand insbesondere die Einbindung der Bundeswehr in das NATO-Konzept der Friedenssicherung und Hilfeleistung und die daraus resultierende notwendige Neuausrichtung, umfassend als Transformationsprozess der Bundeswehr bezeichnet.

Dies umschließt einerseits die Bereitstellung eines Auslandseinsatzkontingentes, die damit verbundene organisatorische und logistische Unterstützung und andererseits die integrative Verknüpfung mit den bisherigen Aufgaben und Anforderungen der Bundeswehr.

General Schneiderhan zeigte ebenfalls das bivalente Moment der Transformation auf: Die Einbindung des Menschen sowohl als treibende als auch integrierte Kraft. Er zeigte das besondere Bemühen der Personalverantwortlichen auf, durch eine entsprechende Betreuung die Soldaten/Soldatinnen in ihrem Dienst zu unterstützen.

Die Notwendigkeit des Transformationsprozesses, der übrigens in allen anderen NATO-Armeen stattfindet, wenn auch ausgehend von anderen Notwendigkeiten und mit unterschiedlichen Zielsetzungen, zeigt sich in der Betrachtung der bisherigen Geschichte der Bundeswehr.

General Schneiderhan gliederte diese Betrachtung in vier, sich jeweils überschneidende Phasen bzw. Soldatengenerationen, die jeweils wechselnden politischen und militärischen Anforderungen entsprachen

    Die Gründungsphase und gesellschaftliche Integration der Bundeswehr
    Die Anpassung an Verhältnisse der Zeit des “kalten Krieges“
    Die Ausrichtung auf die Zeit nach dem Fall der Mauer
    Die derzeitige Transformation, die Positionierung vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen


Dieser klare und “schnörkellose“ Vortrag, der sich auch Kritischem nicht verwehrte, gezeichnet durch unterschwelligem Humor, ermöglichte dem Auditorium Einblicke in und Ansichten von diversen Bundeswehrinterna, wie sie in den öffentlichen Medien nicht zu finden sind.

Im Anschluss an den Vortrag, und während der Vortragspause, hatten die Teilnehmer Gelegenheit, individuelle Fragen an Herrn General Schneiderhan zu richten.

Am Freitagnachmittag berichtete Herr Heinz Schaumann, Mitglied des Präsidiums der Europa-Union-Deutschland, unter dem Titel “Die europäische Verfassung ohne Gottesbezug! – Fehlen der EU Sinn und Seele“ zum europäischen Vertrag.

Zum besseren Verständnis der heutigen europäischen (und oft kontrovers diskutierten) Situation, gab Herr Schaumann einen historischen Abriss der einzelnen Entwicklungsschritte. Angefangen 1951 mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) über die Schaffung des Europäischen Binnenmarktes 1987 bis hin zur EU-Osterweiterung im Jahr 2004.

Aus der Abfolge der historischen Eckpunkte erläuterte Herr Schaumann die aktuellen Zielsetzungen der EU:

Ein Ausgewogenes Wirtschaftswachstum, eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, den Umweltschutz, die Bekämpfung von Ausgrenzung und Diskriminierung, die Förderung der Staatenbeziehungen untereinander, eine abgestimmte Außenpolitik und die Beziehungen der EU zu den USA.

Unter Berücksichtigung der Historie und der Beibehaltung der nationalen Eigenständigkeit der europäischen Staaten, erläuterte Herr Schaumann, warum ein Vergleich mit den USA hinkt, weshalb die EU nicht die vereinigten Staaten von Europa sind und jetzt auch noch nicht sein könnten.

Im Anschluss an seinen Vortrag, beantwortete Herr Schaumann Fragen der Zuhörer und nahm auch zu kritischen Beiträgen, bsp. weshalb die europäische Verfassung in einigen Staaten durch die Regierungen ratifiziert wurde und in anderen per Volksabstimmung anerkannt wurde, kompetent Stellung.

Am Freitagabend hielt Herr Winfied Kissel einen Kurzvortrag zur Gründung von Gebetszellen - im Sinne von Kleinstgemeinschaften- die durch das gemeinsame Gebet versuchen, neue Kraft und Stärkung zu finden.

Samstag, 22.04.06
Der Samstagvormittag stand im Zeichen der Bibelarbeit unter den beiden Themenblöcken "Ist durch Jesus Christus die Erwählung Israels aufgehoben?" und "Hat Israel noch eine Bedeutung für unseren Glauben an Jesus Christus?"

Durch jeweils detaillierte Vorträge führte Herr MilPf Scheel in die Thematik ein und verband die Themenblöcke durch eine freie Gruppenarbeit, an deren Ende die Ergebnisse gesammelt und verdichtet den vorgestellten Vortragsschwerpunkten gegenübergestellt wurden.

Abgerundet wurde die Bibelarbeit durch die Bezugnahme auf konkrete Bibelstellen und die Darstellung ihrer Bedeutung in der Historie des Volkes Israel.

Dies war auch der Brückenschlag zum Diavortrag am Nachmittag und frühen Abend. Herr Scheel zeigte ausgewählte Bilder, aufgenommen während seiner zahlreichen Israel-Reisen. Gezeigt wurden sowohl historische als auch Gegenwartsaufnahmen. Der dreigliedrige Vortrag vermittelte einen plastischen Eindruck des biblischen und des modernen Israels. Einer der Vortragsschwerpunkte war die Bedrohung Israels durch die Kriege in der jüngeren Vergangenheit. Die vorherige thematische Einbeziehung einiger AT-Bibelstellen, machte die religiös-historische Verwurzelung des Konfliktpotenzials deutlich, die bei rein westeuropäischer Betrachtung der Situation im Nahen Osten verborgen bleibt.


Sonntag, 23.04.06
Der Sonntag war durch den Abschlussgottesdienst, den Herr MilPf Scheel hielt, geprägt. Anschließend trafen sich die Rüstzeitteilnehmer zur Abschlussbesprechung. Hier hatte jeder Gelegenheit in kurzen Worten das für ihn Wichtigste zusammenzufassen oder auch Mannöverkritik zu üben.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen, dem herzlichen Sich-Verabschieden - es braucht schon etwas Zeit, bis jeder jedem seine Wünsche mit auf den Weg gegeben hat – leerte sich langsam die gastliche Tagungsstätte.