CoV-Herbstrüstzeit in Hülsa vom 30.10.–01.11.2015

Abschied vom Leben?  

Wir können dankbar auf ein geistlich gesegnetes und die Gemeinschaft stärkendes Wochenende zurückschauen. Schon während der Anreise lichtete sich der Hochnebel immer mehr, und am Spätnachmittag brach sich die Sonne dann endgültig Bahn. Wenn auch die meisten aktiven Soldaten durch das späte Dienstende erst in der Dunkelheit eintrafen, konnte Pfr. Friedemann Schmidt die meisten in der Abendandacht und Vorstellungsrunde in das Thema einführen.

Samstagmorgen wurde das Thema dann nach der Morgenandacht in drei Gesprächsgruppen wie bei der „Stationsausbildung“ wechselnd im laufe des Tages erarbeitet:  

1. Station: Pfarrerin Dr. Stefanie Schmidt-Eggert brachte uns den bekannten Bericht von der Auferweckung des Lazarus in der Form eines Bibliologes – in kurzen Textabschnitten sollen sich Teilnehmer in die damalige Situation hineinversetzen und hineindenken - nahe. Für die meisten Teilnehmer war diese Art der Texterschließung unbekannt, brachte aber eine bisher nicht gekannte Nähe und Textvertiefung. Diese Beschäftigung mit einem biblischen Text braucht aber von Seiten des Leiters/der Leiterin eine sehr gründliche: Vorbereitung und eine besonders tiefe Textkenntnis. Sie eignet sich nicht für jeden Anlass, und ist auch nicht für al le gleich gut geeignet.  

2. Station: Friedemann Schmidt stellte die unterschiedlichen in Deutschland zugelassenen Bestattungsformen vor. Hier stand die zunehmende Bedeutung des Friedwaldes / Ruheforstes im Mittelpunkt – Friedwald ist ein gesetzlich geschützter Begriff einer Organisation. Welche Bestattungsform gewählt wird, sollte bereits frühzeitig in Absprache mit den zukünftigen Hinterbliebenen geklärt werden. Je nach Friedhofsordnung– wie auch bei der Seebestattung – besteht bei der Bestattung im Friedwald / Ruheforst oft nicht die Möglichkeit einen festen Trauerort zu haben, oder an dem Begräbnisort Kränze und Blumen abzulegen. Vielfach ist auch der Ruheforst nur ein besonderes Waldstück ohne Einfriedung, wo Menschen und Wild einfach herumlaufen; der Begräbnisort wird meist nur mit einer Plakette an dem betreffenden Baum gekennzeichnet. Zudem ist die vorgeschriebene verrottende Urne nicht besonders ästhetisch gestaltet Leider haben die Kirchen und Gemeinden in den letzten 150 Jahren die Einflussnahme in der Bestattung im biblischen Sinn immer mehr preisgegeben und verloren.  

3. Station: Sascha Zierold stellte die 4 Beschlussanträge zur Sterbebegleitung, die am 06.11. im Bundestag in 2. und 3. Lesung erörtert und verabschiedet wurden. vor. Allen Entwürfen ist gemeinsam. dass die Palliativmedizin und die Hospizarbeit gestärkt werden soll. Bzgl. der Beihilfe zum Suizid bestehen große Unterschiede. Der liberalste Entwurf will die Beihilfe – auch durch sogenannte Sterbehilfevereine – frei ermöglichen, wenn keine ,,gewerbliche Gewinnerzielungsabsicht“ besteht. Der 2. Entwurf will die „vereinsmäßjge“ Beihilfe unterbinden. (Dieser Entwurf erhielt die mit Abstand meisten Stimmen.) Der 3. will die Beihilfe in bestimmten eng begrenzten Fällen straffrei stellen, und der 4. jede Beihilfe verbieten. Für die Entwürfe 1–3 müssen bestehende Gesetze angepasst werden. Jedoch wird letztendlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen, denn gegen den Bundestagsbeschluss wurden schon Verfassungsbeschwerden angekündigt Auf jeden Fall werden wohl Angehörige, Ärzte und das Pflegepersonal in Zukunft psychisch unter Druck gesetzt und belastet, egal für welche Regelung die Entscheidung fällt.  

Die Gruppengespräche wurden zum Mittagessen darin um 12:00 Uhr unterbrochen. Danach gab es dann bis 15:30 Uhr die Möglichkeiten zu persönlichen Gesprächen unter­ einander, die von vielen während längerer Spaziergänge bei wunderschönem, sonnigen Herbstwetter genutzt wurden. Margaret Hogan verglich dies mit dem „Indian Summer“ ihrer nordamerikanischen Heimat.  

Der Grillabend ab 18:00 Uhr, unterbrochen durch die Fackelwanderung, und auch der Ausklang nach der Abendandacht bot die Möglichkeit die Gespräche zu  vertiefen.  

Seiner Abendandacht am Abend des  Reformationstages legte Friedemann Schmidt das aus dem Anfang der Refomationszeit stammende Lutherlied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ zugrunde. Er betonte dabei, dass uns der göttliche Frieden aus Gnaden verliehen, also nicht unbegrenzt geschenkt wird, sondern immer wieder neu erbeten und erarbeitet werden muss.  

Im Abendmahlsgottesdienst am Sonntagmorgen zeigte uns Stefanie Schmidt-Eggert noch einmal an Hand des auferweckten Lazarus auf, dass Gott bei uns mit seiner Liebe immer zielgerichtet handelt.  

Nach dem abschließenden Mittagessen hieß es dann, vielleicht zum letzten Mal, von Hülsa Abschied zu nehmen,  da die ev.  Kirche der ganzen  Belegschaft des Hauses zum 30.11.15 gekündigt hat.  Die weitere Verwendung ist offen.

Udo Dickes